ICA, International Christian Aid


 

Da ist Flexibilität gefragt...




Für das Lager für die Kinder aus dem Dorf Sângeorgiu de Mureş hatten sich 29 Kinder angemeldet. Zu Lagerbeginn ging ich guter Laune mit einigen Holländerinnen nach Praid, um die letzten Dinge vorzubereiten und eine Willkommensdekoration zu machen. Die Enttäuschung war gross, als ich um 10 Uhr einen Anruf erhielt, dass plötzlich nur 9 Jungs und 3 Lehrer bereit wären ins Lager zu kommen.

Das war der Anfang von zahlreichen Änderungen, denn es machte keinen Sinn mit 16 Leitern (ein Team aus Holland hat uns unterstützt) ein Lager für 9 Kinder durchzuführen.
Nach einigen SMS und Telefonanrufen entschieden wir uns Kinder aus anderen Armenvierteln, in welchen wir als ICA auch arbeiten, einzuladen. Am Montagabend kamen 12 kleine Kinder und am Dienstag nochmals 10 Kinder ins Lager. Schlussendlich hatten wir 31 Kinder im Camp!

Nach allen Änderungen und Schwierigkeiten während den ersten zwei Tage konnten wir am Mittwoch schliesslich richtig starten. Von da an hatten wir eine gute Zeit, auch wenn es noch einige Herausforderungen zu bewältigen gab. Wir waren vorbereitet für Rumänisch sprechende Kinder im Alter von 9-13 Jahren und nun war die Hälfte der Kinder plötzlich 6-7 Jahre alt und ihre Muttersprache war Ungarisch. Doch ich denke, dass wir trotz allem erfolgreich waren, denn die Kinder waren glücklich, die Leiter hatten eine gute Zeit und auch die Lehrer konnten das Lager geniessen.

Jeden Morgen während des Frühstücks oder manchmal schon beim Wecken, stellten mir die kleinen Kinder immer die gleiche Frage: Herrie, werden wir unsere Zähne putzen? Werden wir heute im Fluss baden? Wann können wir wieder unsere Kleider waschen gehen? (Wir mussten sogar Regeln aufstellen, damit sie nicht den ganzen Tag am Fluss waren und ihre Kleider wuschen, die sie gerade mal zehn Minuten getragen hatten!) Ist heute unsere Gruppe an der Reihe mit dem Abwasch? – Man konnte die Enttäuschung auf ihren Gesichtern sehen, wenn sie gerade nicht an der Reihe waren, den Abwasch zu erledigen…

Dann hatten wir aber auch ältere Jungs, welche immer auf die Freizeit warteten, damit sie mit den Holländern Fussball, Tennis oder Badminton spielen konnten. Es war schön zu sehen, dass am Ende des Lagers neue Freundschaften entstanden waren, obwohl das Alter, die Herkunft und die Sprachen der Kinder sehr durchmischt waren.

Einer der schönsten Momente war an einem Abend nach dem Lobpreis: Eine Lehrerin kam nach vorne um zu beten und um sich für das Lager zu bedanken. Die Woche habe ihr, den anderen Lehrern und den Kinder von Sângeorgiu sehr gefallen. Am Ende des Gebets und des Dankes sagte sie, dass sie und ihre Gruppe, wenn sie wieder zurück in Sângeorgiu seien, Gott mehr suchen wollen. Es war ein besonderes Erlebnis und machte mich sehr glücklich, weil die Lehrer nicht Christen sind. Es ist so gut zu hören, dass so ein Lager nicht nur einfach schön ist und Spass macht, sondern dass Gott die Herzen der Kinder und Lehrer berührt.

Ein anderer Moment, der mich sehr berührte, war am Freitagabend beim Abendessen. Die ganze Woche über hatten wir über Entscheidungen gesprochen, denn das war das Hauptthema. Entscheidungen für Freundschaften, einander zu helfen, mutig etwas zu tun und die Entscheidung für ein Leben mit Gott. An diesem Abend trafen die Kinder eine Entscheidung, über welche wir nicht gesprochen hatten: Die Entscheidung um Vergebung zu bitten. Tatsache war, dass ich die ganze Gruppe wegen ihrem Benehmen bestraft hatte und sie eine Viertelstunde auf ihr Essen warten mussten. Dann kamen sechs kleine Kinder nacheinander zu mir und baten mich um Verzeihung. Sie sagten nicht nur: „«Bitte, verzeih mir», sondern bekannten mir, was sie falsch gemacht hatten und baten mich um Verzeihung dafür.

Es war so schön zu sehen, dass es nicht nur leere Worte waren, sondern dass es ihnen wirklich leid tat, was sie am Nachmittag falsch gemacht hatten. Wieder einmal mehr staunte ich, dass ich auch von kleinen Kindern sehr viel lernen kann!

Henrike van Soest

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